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Lieferando Provision 2026: Was von einem 30-Euro-Bon übrig bleibt

Stand: Oktober 2026

10 Min. Lesezeit

Lieferando nimmt 13 bis 14 Prozent Provision, wenn das Restaurant selbst liefert, und rund 30 Prozent, wenn die Plattform liefert. Wir rechnen durch, was von einem 30-Euro-Bon bleibt, wie hoch ein Aufschlag sein müsste und wann sich der eigene Shop lohnt.

Foto: Rowan Freeman / Unsplash
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Die Lieferando Provision liegt für Restaurants, die mit eigenen Fahrern ausliefern, bei 13 bis 14 Prozent des Bestellwerts. Übernimmt Lieferando die Zustellung, sind es rund 30 Prozent. Diese Sätze hat das Unternehmen selbst genannt: 2021 über die damalige Deutschland-Chefin und im März 2023 in einem eigenen Factsheet. Eine öffentliche Preisliste für Restaurants gibt es auch im Oktober 2026 nicht, der verbindliche Satz steht im Partnervertrag.

In Euro sieht das so aus: Von einem 30-Euro-Bon bleiben in unserem Rechenbeispiel mit Plattformfahrern 9,63 Euro übrig, und davon sind Küchenpersonal und Miete noch nicht bezahlt. Überraschender ist ein anderes Ergebnis. Bei diesem Bonwert lohnt sich die Eigenlieferung über Lieferando weniger als die teurere Plattformlieferung.

Lieferando Provision zwischen 2021 und 2026: Sätze stabil, neue Gebühr für Gäste

Im Februar 2021 nannte die damalige Deutschland-Chefin Katharina Hauke gegenüber der Abendzeitung München 13 Prozent Provision für Betriebe, die selbst ausfahren, und 30 Prozent bei Auslieferung durch Lieferando. Rund 90 Prozent der angeschlossenen Gastronomen lieferten damals selbst. Im Factsheet vom März 2023 standen 14 und 30 Prozent. Neuere Sätze hat Lieferando seither nicht veröffentlicht.

Branchenauswertungen aus dem Jahr 2026 nennen weiterhin 13 bis 14 Prozent bei Eigenlieferung und 25 bis 30 Prozent mit Lieferando-Fahrern. Einzelne Verträge weichen davon ab. Wer wissen will, was er tatsächlich zahlt, findet die Antwort in der eigenen Monatsabrechnung.

Seit April 2025 gibt es eine Servicegebühr, die der Gast zahlt. Bei Bestellungen, die das Restaurant selbst ausliefert oder die abgeholt werden, beträgt sie 2,5 Prozent des Bestellwerts, höchstens 0,99 Euro. Für Lieferungen durch Lieferando nennen Branchenberichte 5 Prozent, höchstens 1,49 Euro. Das Restaurant bekommt von dieser Gebühr nichts, die Provision läuft unverändert weiter.

Indirekt spürt der Betrieb die Gebühr trotzdem. Die Bestellung wird für den Gast teurer, ohne dass mehr Geld in der Küche ankommt. Damit schrumpft der Spielraum für eigene Preisaufschläge, bevor der Gast abspringt.

Eigenlieferung, Plattformlieferung, Abholung: Was die großen Plattformen verlangen

Von den drei in Deutschland relevanten Plattformen veröffentlicht nur Uber Eats seine Sätze. Bei Lieferando und Wolt stehen sie im Vertrag. Die folgenden Werte stammen deshalb aus unterschiedlichen Quellen und Jahren.

PlattformRestaurant liefert selbstPlattform liefertAbholungQuelle
Lieferando13 bis 14 %rund 30 %laut Branchenberichten wie EigenlieferungUnternehmensangaben 2021 und Factsheet März 2023
Uber Eats14 % (12 % bei Uber-One-Bestellungen)30 % (33 % bei Uber-One-Bestellungen)14 %Preisseite Deutschland, Stand Oktober 2026
Woltnicht veröffentlichtBerichte nennen 25 bis 30 %nicht veröffentlichtBranchenberichte

Auffällig ist die Abholung. Holt der Gast sein Essen selbst an der Theke ab, liefert die Plattform nichts aus, rechnet aber trotzdem einen Satz in Höhe der Eigenlieferung ab. Für diese Bestellungen zahlt der Betrieb im Kern für Sichtbarkeit in der App und die Zahlungsabwicklung.

Brutto oder netto: 59 Cent Unterschied pro Bon

Uber Eats berechnet seine Sätze laut AGB auf den Verkaufspreis inklusive Umsatzsteuer. Bei Lieferando hängt die Bemessungsgrundlage vom Vertrag ab, und Branchenquellen widersprechen sich hier. Für einen 30-Euro-Bon mit Speisen zu 7 Prozent Umsatzsteuer macht das folgenden Unterschied:

  • Basis brutto 30,00 Euro: 4,20 Euro Provision bei 14 Prozent, 9,00 Euro bei 30 Prozent
  • Basis netto 28,04 Euro: 3,93 Euro bei 14 Prozent, 8,41 Euro bei 30 Prozent

Das sind 27 beziehungsweise 59 Cent pro Bestellung. Bei 600 Lieferbestellungen im Monat kommen so bis zu 354 Euro zusammen. Auf die Provision selbst stellt die Plattform Umsatzsteuer in Rechnung. Ein regelbesteuerter Betrieb holt sie sich als Vorsteuer zurück, die Liquidität bindet sie trotzdem bis zur nächsten Voranmeldung.

Posten jenseits der Provision

In den Abrechnungen tauchen weitere Positionen auf, deren Höhe Lieferando ebenfalls nicht öffentlich nennt. Dazu gehören Gebühren für Online-Zahlungen, für die Branchenberichte sehr unterschiedliche Werte angeben, und bezahlte Platzierungen in der App wie das Ranking-Produkt TopRank. Wer bei der Kalkulation nur mit dem Provisionssatz rechnet, unterschätzt die tatsächliche Belastung. Wie sich die effektive Quote ermitteln lässt, steht im letzten Abschnitt.

Rechenbeispiel: Was von einem 30-Euro-Bon übrig bleibt

Das Beispiel geht von einer Pizzeria aus, die ausschließlich Speisen verkauft. Die Annahmen sind bewusst einfach gehalten, damit jeder Betrieb seine eigenen Werte einsetzen kann:

  • Bon 30,00 Euro brutto, Speisen mit 7 Prozent Umsatzsteuer, netto 28,04 Euro
  • Wareneinsatz 30 Prozent vom Nettoerlös, also 8,41 Euro
  • Verpackung 1,00 Euro je Bestellung
  • Provision auf den Bruttobetrag (ungünstigere Variante)
  • Eigener Fahrer 6,50 Euro je Tour: Mindestlohn 2026 von 13,90 Euro plus rund 21 Prozent Arbeitgeberanteile ergibt etwa 16,80 Euro je Stunde, bei drei Touren pro Stunde 5,60 Euro, dazu 0,90 Euro Fahrzeugkosten je Tour
  • Eigener Shop: Zahlungsgebühr von 1,5 Prozent, also 0,45 Euro

Das Ergebnis ist jeweils der Deckungsbeitrag. Gemeint ist damit der Betrag, der nach den direkt zurechenbaren Kosten übrig bleibt und aus dem Küchenpersonal, Miete, Energie und Gewinn bezahlt werden müssen.

Beispielrechnung

  1. Lieferando mit Plattformfahrern, 30 Prozent Provision
  2. Nettoerlös: 28,04 Euro
  3. minus Provision: 9,00 Euro
  4. minus Wareneinsatz: 8,41 Euro
  5. minus Verpackung: 1,00 Euro
  6. Deckungsbeitrag: 9,63 Euro
BestellwegProvision oder GebührFahrerkostenDeckungsbeitrag
Lieferando, Plattformfahrer (30 %)9,00 €0,00 €9,63 €
Lieferando, Eigenlieferung (14 %)4,20 €6,50 €7,93 €
Lieferando, Abholung (14 %)4,20 €0,00 €14,43 €
Eigener Shop, Eigenlieferung0,45 €6,50 €11,68 €
Eigener Shop, Abholung0,45 €0,00 €18,18 €

Die Eigenlieferung über Lieferando schneidet in dieser Rechnung am schlechtesten ab. Der Grund ist einfach: Die 16 Prozentpunkte niedrigere Provision sparen bei einem 30-Euro-Bon genau 4,80 Euro. Kostet der eigene Fahrer mehr als 4,80 Euro je Tour, ist die Plattformlieferung günstiger.

Umgekehrt gerechnet liegt die Schwelle bei einem Bon von rund 40,60 Euro, denn erst ab dort übersteigen 16 Prozent des Bestellwerts die 6,50 Euro Fahrerkosten. Bei einem 50-Euro-Bon spart die Eigenlieferung 8,00 Euro Provision und bleibt nach Fahrerkosten 1,50 Euro im Vorteil. Für eine Pizzeria mit kleinen Bons sieht das anders aus als für einen Asiaten, bei dem Familienbestellungen über 50 Euro häufig sind.

Die Fahrerkosten je Tour sind die empfindlichste Stellschraube im ganzen Modell. Schafft ein Fahrer am Freitagabend vier Touren pro Stunde, sinken sie auf etwa 5,10 Euro. Steht er am Dienstagnachmittag eine halbe Stunde ohne Auftrag herum, steigen sie deutlich über 6,50 Euro. Wer die eigene Flotte nur nach Stundenlohn bewertet und Leerzeiten ignoriert, rechnet sich die Eigenlieferung schön.

Mehrwertsteuer 2026: Der alte Steuervorteil der Lieferbestellung ist weg

Seit dem 1. Januar 2026 gilt für Speisen in der Gastronomie dauerhaft der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent, egal ob sie im Gastraum verzehrt, mitgenommen oder geliefert werden. Grundlage ist das Steueränderungsgesetz 2025. Getränke bleiben bei 19 Prozent. Für die Lieferkalkulation hat das eine Folge, die in vielen Betrieben noch nicht angekommen ist.

Bis Ende 2025 lagen Speisen im Lokal bei 19 Prozent, gelieferte Speisen bei 7 Prozent. Eine Pizza für 12 Euro brachte im Gastraum netto 10,08 Euro, als Lieferung 11,21 Euro. Diese 1,13 Euro Unterschied deckten rund zwei Drittel der 14-Prozent-Provision von 1,68 Euro ab. Wer Liefer- und Lokalpreis gleich hielt, hatte also einen eingebauten Puffer.

Seit Januar 2026 bringt dieselbe Pizza an beiden Orten netto 11,21 Euro. Der Puffer ist weg, die Provision trifft die Liefermarge jetzt in voller Höhe. Betriebe, die ihre Lieferpreise zuletzt 2024 oder 2025 kalkuliert haben, sollten diese Rechnung deshalb neu aufmachen.

Preisaufschlag für Liefergerichte: Formel, Beispiele und Bestpreisklausel

Will ein Betrieb nach Abzug der Provision denselben Betrag erlösen wie im Gastraum, gilt diese Formel:

Beispielrechnung

  1. Lieferpreis = Lokalpreis ÷ (1 − Provisionssatz)
  2. Bei 14 Prozent: Lokalpreis ÷ 0,86, also ein Aufschlag von rund 16,3 Prozent
  3. Bei 30 Prozent: Lokalpreis ÷ 0,70, also ein Aufschlag von rund 42,9 Prozent
GerichtPreis im LokalLieferpreis bei 14 %Lieferpreis bei 30 %
Pizza12,00 €13,95 €17,14 €
Pasta14,50 €16,86 €20,71 €
Burger-Menü17,90 €20,81 €25,57 €

Die Verpackung ist in dieser Rechnung noch nicht enthalten. Bei Eigenlieferung lässt sich ein Aufschlag in Höhe von 15 bis 17 Prozent am Markt meist erklären. Bei Plattformlieferung hat ein Aufschlag von über 40 Prozent kaum eine Chance, denn Gäste vergleichen Preise, und die Servicegebühr kommt noch obendrauf. Ein Aufschlag von 15 Prozent gleicht hier nur gut ein Drittel der Provision aus. Den Rest trägt die Marge.

Dazu kommt eine vertragliche Grenze. Die Lieferando-AGB verlangten bei der Prüfung durch das Bundeskartellamt, dass die Preise auf der Plattform denen in den eigenen Vertriebskanälen des Restaurants entsprechen. Das Amt hat sein Verfahren gegen die Berliner Yd. Yourdelivery GmbH, die Betreiberin von Lieferando, im Juli 2023 aus Ermessensgründen eingestellt. Eine Billigung der Klausel ist das nicht, ein Verbot aber auch nicht. In der Praxis heißt das: Ein höherer Lieferpreis muss auf der eigenen Webseite und bei telefonischen Bestellungen genauso gelten. Günstiger als auf Lieferando darf der eigene Bestellkanal nach dieser Klausel nicht sein.

Alternativen zur Lieferando Provision: eigener Shop, weitere Plattformen, Abholung

Eigener Bestellshop

Shop-Anbieter arbeiten mit Monatspauschalen oder mit einem kleinen Prozentsatz je Bestellung. Preisseiten mehrerer Anbieter nennen im Herbst 2026 Pauschalen von etwa 40 bis 100 Euro im Monat oder Gebühren ab einem Prozent, dazu kommen die Kosten des Zahlungsdienstleisters. Anbieter und Konditionen ändern sich häufig, ein Vergleich von drei Angeboten mit identischen Bestellzahlen ist deshalb Pflicht.

Die Rechnung für den Wechsel ist überschaubar. Wandert eine Bestellung mit Eigenlieferung von Lieferando in den eigenen Shop, spart der Betrieb im Beispiel 4,20 Euro Provision und zahlt 0,45 Euro Zahlungsgebühr. Bei 99 Euro Monatspauschale sind nach 27 umgeleiteten Bestellungen die Fixkosten gedeckt.

Was diese Rechnung verschweigt: Der eigene Shop bringt keine Neukunden. Jede Bestellung dort stammt von einem Gast, der das Restaurant schon kennt, meist über eine frühere Plattformbestellung. Für die Kundendaten gilt dasselbe, sie liegen bei Bestellungen über Lieferando bei der Plattform. Realistisch ist deshalb eine Arbeitsteilung, bei der Lieferando Neukunden bringt und Stammgäste über Flyer in der Tüte, den Bon und das Google-Profil auf den eigenen Kanal wechseln.

Prüfen sollte jeder Betrieb, wohin der Bestellknopf im eigenen Google-Eintrag führt. Das Bundeskartellamt hat 2023 von Lieferando erstellte Restaurant-Webseiten kritisch bewertet, soweit Gäste dort ungewollt über die Plattform bestellen. Eine Sogwirkung zugunsten des Marktführers konnte das Amt allerdings nicht belegen.

Uber Eats und Wolt

Uber Eats ist in Deutschland die einzige der großen Plattformen mit öffentlichen Sätzen, die Konditionen liegen auf dem Niveau von Lieferando. Ein Preisvorteil ergibt sich daraus kaum, der Nutzen liegt in zusätzlicher Reichweite dort, wo Uber Eats oder Wolt stark vertreten sind. Schon 2023 stellte das Bundeskartellamt fest, dass Restaurants zunehmend mehrere Lieferdienste parallel beauftragen. Jede weitere Plattform bedeutet aber ein weiteres Tablet am Pass, eine weitere Speisekarte zur Pflege und eine weitere Abrechnung für die Buchhaltung. Ab zwei Plattformen lohnt sich die Frage, ob eine Schnittstelle zur Kasse günstiger ist als die Fehler beim Abtippen von Bons.

Abholung gezielt stärken

In der Tabelle oben bringt die Abholung über den eigenen Shop mit 18,18 Euro fast den doppelten Deckungsbeitrag der Plattformlieferung. Betriebe in Wohnlagen mit viel Laufkundschaft können diesen Kanal aktiv bewerben, etwa mit festen Abholzeitfenstern, in denen die Küche planbar vorproduziert. Ob ein Preisvorteil für Abholer mit der Bestpreisklausel vereinbar ist, gehört zur Vertragsprüfung aus dem vorigen Abschnitt.

Vor dem Weihnachtsgeschäft: Effektive Quote ausrechnen und Fahrerkosten für 2027 neu ansetzen

Die Wochen zwischen Ende November und Silvester sind für viele Lieferbetriebe die umsatzstärksten des Jahres. Wer jetzt nachrechnet, entscheidet noch vor dem Ansturm, welche Gerichte auf der Lieferkarte bleiben und welche bei 30 Prozent Provision Geld kosten.

Der erste Schritt ist die effektive Plattformquote. Dafür addieren Sie alle Belastungen einer Monatsabrechnung, also Provision, Zahlungsgebühren und Werbeprodukte, und teilen die Summe durch den Bruttobestellumsatz desselben Monats. Liegt das Ergebnis deutlich über dem vertraglichen Provisionssatz, sitzt das Problem in den Zusatzposten. Wie Sammelabrechnungen mit Provision, Servicegebühr und Trinkgeldern korrekt verbucht werden, klärt der Steuerberater, gerade wenn Speisen und Getränke mit unterschiedlichen Steuersätzen in einer Bestellung stecken.

Zum 1. Januar 2027 steigt der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 auf 14,60 Euro. Mit denselben Annahmen wie oben kostet eine Fahrertour dann rund 6,80 Euro. Die Schwelle, ab der sich die Eigenlieferung gegenüber Plattformfahrern rechnet, wandert damit auf einen Bon von etwa 42 Euro. Was die Arbeitsstunde ab Januar insgesamt kostet, rechnet unser Beitrag „Gastronomie-Personal 2027: Was die Arbeitsstunde ab Januar kostet“ durch.

Der häufigste Fehler beim Vergleich der Modelle bleibt derselbe: Betriebe stellen 14 Prozent gegen 30 Prozent und halten die Eigenlieferung automatisch für günstiger. Ohne die Fahrerkosten je Tour und den eigenen Durchschnittsbon ist dieser Vergleich wertlos. Wer beide Zahlen aus den letzten drei Monaten zieht und in die Tabelle oben einsetzt, sieht in einer halben Stunde, welches Modell im eigenen Betrieb mehr übrig lässt. Eine Vorlage dafür lässt sich mit der Anleitung aus „Gastronomie-Kalkulation in Excel kostenlos“ selbst bauen.

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